Insbesondere in Städten macht sich der motorisierte Verkehr durch die negativen Auswirkungen in Form von Luftschadstoffen, Lärm, Verkehrsunfällen und Flächenversieglung bemerkebar. Zudem herrscht in Deutschland Bewegungsmangel bei Kindern und Erwachsenen, was auch auf die eigenschränkte aktive Mobilität zurückzuführen ist [1]Journal of Health Monitoring (2017) 2(2) DOI: https://doi.org/10.17886/RKI-GBE-2017-027 [2]Journal of Health Monitoring (2018) 3(1) DOI: https://doi.org/10.17886/RKI-GBE-2018-006.2.

Aktive Mobilität ist somit nicht nur für die Reduzierung negativer Auswirkungen des motorisierten Verkehrs unerlässlich, sondern auch für die individuelle Gesundheit und das Wohlbefinden. Der direkte Effekt für das subjektive Wohlbefinden konnte beispielsweise in einer Studie in England festgestellt werden [3]Gatersleben B, Uzzell D (2007) Affective Appraisals of the Daily Commute Comparing Perceptions of Drivers, Cyclists, Walkers, and Users of Public Transport. Environment and Behavior 39(3): 416-431. Laut der Studie Mobilität in Deutschland ist das Zufußgehen zwar die beliebteste Form der Fortbewegung (Nobis/Kuhnimhof 2019: 127 ff[4]Nobis, C., und T. Kuhnimhof (2019): Mobilität in Deutschland — MiD Ergebnisbericht, Studie von infas, DLR, IVT und infas 360 im Auftrag des Bundesministers für Verkehr und digitale Infrastruktur … Continue reading), allerdings sind Fußgänger*innen der Umwelt in besonders starkem Maße ausgesetzt, weil sie langsamer sind als andere Verkehrsteilnehmer und weil es keine „Pufferzone“ gibt. Externe Faktoren, wie Sicherheit, Wetter, Gestaltung der öffentlichen Räume und Erreichbarkeiten nehmen somit für das Zufußgehen einen besonders wichtigen Stellenwert ein. Dabei spielt nicht nur das objektive Vorhandensein dieser Faktoren eine Rolle, sondern auch die subjektive Wahrnehmung. Zudem funktioniert das Zufußgehen nach einer anderen Logik als die sonstigen Verkehrsmittel, Aufenthaltsqualitäten und Zugang zum öffentlichen Raum spielen hier eine besondere Rolle.

Im Forschungsvorhaben wird experimentell untersucht, wie urbane Aufenthaltsqualitäten erhöht, öffentliche Räume für die Stadtbewohner*innen geschaffen und eine gesundheitsfördernde Fortbewegung ermöglicht werden kann. Im Rahmen eines Realexperiments wird eine Kreuzung in Berlin Charlottenburg für einen temporären Zeitraum in einen Stadtplatz umgewandelt. Zudem wird eine Umgestaltung zur Fußgängerzone in Berlin Kreuzberg im Rahmen eines transdisziplinären Prozesses begleitet und erforscht. Durch partizipative Formate und gemeinsame Gestaltungsaktivitäten wird die Nachbarschaft angeregt, eigene Ideen und Gestaltungswünsche einzubringen und umzusetzen. Die (temporäre) Transformation des öffentlichen Raums wird mithilfe von Verkehrszählungen, quantitativen Befragungen und Interviews evaluiert.

Die Ergebnisse werden in den Kontext internationaler Beispiele einer fußgängerfreundlichen Infrastruktur eingebettet (z. B. Superblocks in Barcelona, autofreies Zermatt, Fußgängerzone Gent).

Fußnoten

Fußnoten
1 Journal of Health Monitoring (2017) 2(2) DOI: https://doi.org/10.17886/RKI-GBE-2017-027
2 Journal of Health Monitoring (2018) 3(1) DOI: https://doi.org/10.17886/RKI-GBE-2018-006.2
3 Gatersleben B, Uzzell D (2007) Affective Appraisals of the Daily Commute Comparing Perceptions of Drivers, Cyclists, Walkers, and Users of Public Transport. Environment and Behavior 39(3): 416-431
4 Nobis, C., und T. Kuhnimhof (2019): Mobilität in Deutschland — MiD Ergebnisbericht, Studie von infas, DLR, IVT und infas 360 im Auftrag des Bundesministers für Verkehr und digitale Infrastruktur (FE-Nr. 70.904/15), Bonn/Berlin, www.mobilitaet-in-deutschland.de