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Heute erscheint der European Mobility Atlas 2021. Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung, trägt er zu Debatten und politischen Entscheidungen über nachhaltigen und gerechten Verkehr und Mobilität in Europa bei. Mit Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft widmet sich der Atlas unterschiedlichen Dimensionen der Mobilität: COVID-19, Klima, Radverkehr, Eisenbahn, Digitalisierung, Luftfahrt, Arbeitsrecht, u.v.m.

Prof. Dr. Sophia Becker von EXPERI und Arne Behrensen von cargobike.jetzt haben dazu einen Beitrag zum Thema „Cargo-Bikes – Sustainable and resilient transport“ (Lastenräder als nachhaltiges und resilientes Verkehrsmittel) beigesteuert. Lastenräder spielen eine große Rolle bei der Reduzierung des motorisierten und fossil angetriebenen Güterverkehrs. Viele europäische Städte betreiben erfolgreiche Subventionsprogramme für Lastenfahrräder, zum Beispiel in Form von Kaufprämien. Ob kommerzielle, private Nutzung oder Lastenrad-Sharing – alle Formen der Nutzung von Lastenrädern nehmen zu.

Dank moderner Cargo-Bikes und Fahrrad-Anhänger könnte etwa die Hälfte aller motorisierten Fahrten für den Warentransport (69 % privat / 31 % kommerziell) in europäischen Städten auf Fahrräder verlagert werden. Eine Studie zur privaten Nutzung von Cargo-Bikes in den USA (vgl. Riggs, 2016) zeigt auf, dass Cargo-Bike-Besitzer*innen ihre Autofahrten nach dem Kauf um 41 % reduzieren.

Ausgehend von Dänemark und den Niederlanden haben sich Lastenräder für den Transport von Kindern seit der Jahrtausendwende zunehmend in anderen europäischen Ländern verbreitet. Kleine innovative Start-ups sowie große internationale Logistikunternehmen testen und nutzen zunehmend Cargo-Bikes als schnelle, kostengünstige und emissionsfreie Transportmöglichkeit in städtischen Gebieten.

In Deutschland und Österreich hat sich das Lastenrad-Sharing seit 2013 lt. Becker und Behrensen hauptsächlich durch zivilgesellschaftliche Initiativen verbreitet, die im Forum Freie Lastenräder verbunden sind. Das Forum Freie Lastenräder ist einer der Praxispartner des EXPERI-Projekts. Heute gibt es ein Netzwerk von derzeit mehr als 100 Cargo-Bike-Sharing-Initiativen in beiden Ländern. Die größte Cargo-Bike-Sharing-Initiative „fLotte Berlin“, die ebenfalls Praxispartner im EXPERI-Projekt ist, betreibt in der deutschen Hauptstadt eine Flotte von 120 Lastenrädern, die man auf Spendenbasis ausleihen kann. In der Schweiz betreibt das kommerzielle Cargo-Bike-Sharing-System carvelo2go über 300 E-Lastenräder in mehr als 70 Städten (vgl. Becker & Rudolf, 2018a).

Eine Umfrage unter 931 Nutzer*innen von Lastenrad-Sharing zeigte, dass 93 % der Befragten beabsichtigen, ein Cargo-Bike erneut zu verwenden, während ein Drittel der Nutzer*innen beabsichtigt, sich ein eigenes Lastenrad zu kaufen (vgl. Becker & Rudolf, 2018b). Die positiven Umwelteffekte sind offensichtlich: Etwa die Hälfte der Nutzer*innen (46 %) vermieden eine Autofahrt aufgrund einer Lastenrad-Ausleihe.

Grafik: Böckmann, Duwe-Schrinner, Kurzhöfer | CC BY 4.0

Insgesamt sind lt. dem Beitrag alle drei Formen der Nutzung von Lastenfahrrädern – gewerblich, privat und im Cargo-Bike-Sharing – auf dem Vormarsch und haben ein beträchtliches Potenzial zur Reduzierung des motorisierten Verkehrs. Dieses Potenzial wird jedoch noch nicht ausreichend erkannt. Die COVID-19-Pandemie erhöht den Druck auf die Kommunalverwaltungen in Europa, den Verkehrsträgern, die gut für die menschliche Gesundheit und die Umwelt sind, ausreichend Platz zu geben: Rad- und Fußverkehr. Sie verringern das Infektionsrisiko – jedoch nur, wenn Radwege vorhanden und breit genug für Lastenräder sind. Einige europäische Städte haben bereits eine Pop-up-Infrastruktur für Radfahrer*innen und Fußgänger*innen implementiert, allen voran Berlin (vgl. Götting & Becker, 2020). Dort existiert mit dem Berliner Mobilitätsgesetz eine Grundlage, die Stadtlandschaft in eine Fahrradstadt mit geschützten Geh- und Radwegen zu verwandeln.

Der European Mobility Atlas 2021 mit dem Beitrag zu Lastenrädern kann hier heruntergeladen werden.